01. Warum Text allein in Stellenanzeigen nicht mehr reicht
Lies mal fünf Stellenanzeigen hintereinander. Spätestens bei der dritten verschwimmen sie: dynamisches Team, flache Hierarchien, spannende Aufgaben. Das ist nicht böse gemeint, aber diese Sätze stehen inzwischen überall, und Bewerber überlesen sie einfach.
Ein Video kann etwas, das Text kaum schafft. Es zeigt, wer im Team arbeitet, wie der Arbeitsplatz aussieht und wie die Menschen miteinander umgehen. Ein ehrliches Lachen in der Kaffeeküche sagt oft mehr über die Stimmung im Team als ein ganzer Absatz über Unternehmenskultur.
Das zeigt sich auch in Zahlen: Laut HiringThing bekommen Stellenanzeigen mit Video 34 % mehr Bewerbungen. Einen anderen Effekt finde ich aber fast noch wichtiger. Wer das Team vorher gesehen hat, bewirbt sich bewusster. Es kommen also nicht nur mehr Bewerbungen, sondern oft auch passendere.
Welches Videoformat dafür am besten funktioniert, hängt von der Stelle ab. Hier sind fünf Formate, die sich in der Praxis bewährt haben.
02. Format 1: Mitarbeiter-Testimonial zur konkreten Stelle
Das einfachste Format ist oft das stärkste: Jemand, der genau diesen Job macht, erzählt davon. Was steht morgens als Erstes an? Was macht Spaß, und was ist manchmal auch anstrengend? Mehr braucht es gar nicht.
Der Effekt ist erstaunlich. Bewerber vergleichen sich ganz automatisch mit der Person im Video und fragen sich: Könnte ich das sein? Wer dabei nickt, bewirbt sich mit einem guten Gefühl. Wer merkt, dass es doch nicht passt, spart sich und dir ein Bewerbungsgespräch. Beides ist ein Gewinn. So sieht das zum Beispiel bei REALEYES aus:
03. Format 2: Der kurze Teamclip
Manchmal geht es weniger um Informationen als um ein Gefühl. Genau dafür ist der kurze Teamclip da: 30 bis 60 Sekunden, ein paar Gesichter, ein paar Sätze, Bilder vom Arbeitsplatz. Kein großes Konzept, dafür viel Atmosphäre.
Solche Clips funktionieren wunderbar als Einstieg in eine Anzeige oder als LinkedIn-Post zur offenen Stelle. In wenigen Sekunden spürt man, wie es im Team zugeht. Und dieses Gefühl entscheidet oft darüber, ob jemand weiterliest oder weiterscrollt.
Das Praktische daran: Solche Kurzclips entstehen häufig ganz nebenbei aus dem Material eines größeren Recruitingfilms. Aus einem einzigen Drehtag lassen sich so mehrere kurze Clips für einzelne Anzeigen schneiden.
04. Format 3: Die Führungskraft stellt die Stelle vor
Stell dir vor, du könntest deine zukünftige Chefin kennenlernen, bevor du dich überhaupt bewirbst. Genau das macht dieses Format möglich. Die Teamleitung erklärt in ein, zwei Minuten selbst, wen sie sucht, worum es in der Stelle geht und worauf sich neue Kolleginnen und Kollegen freuen können.
Gerade bei Fach- und Führungspositionen ist das unglaublich wertvoll. Die Frage, mit wem man jeden Tag zusammenarbeitet, ist für viele wichtiger als jedes Benefit. Ein solches Video beantwortet sie, lange bevor sie im Vorstellungsgespräch auf den Tisch kommt.
05. Format 4: Der Recruitingfilm als Klammer für alle Anzeigen
Nicht jede Stelle braucht ein eigenes Video. Ein Recruitingfilm erzählt die größere Geschichte: Wer seid ihr als Arbeitgeber, wie arbeitet ihr zusammen, wofür steht ihr? Er läuft auf der Karriereseite und lässt sich in jede Stellenanzeige einbinden.
Der große Vorteil ist, dass er immer wieder arbeitet. Einmal gedreht, begleitet er jede offene Stelle, oft über mehrere Jahre. Für Unternehmen, die laufend in mehreren Bereichen suchen, ist das meist der sinnvollste Einstieg. Ein Beispiel dafür ist der Employer-Branding-Film für PAYBACK:
06. Format 5: Mehrere Testimonials aus verschiedenen Bereichen
Wer für die IT sucht, will etwas anderes zeigen als jemand, der Leute für den Vertrieb braucht. Deshalb setzen manche Unternehmen auf eine ganze Serie: ein kurzes Mitarbeiter-Video pro Abteilung oder Berufsgruppe. Jede Anzeige bekommt so genau das Video, das zu ihr passt.
Das klingt nach viel Aufwand, ist es aber oft nicht. Mehrere Interviews lassen sich gut an einem einzigen Drehtag aufnehmen. Am Ende hast du eine kleine Bibliothek, aus der du je nach Stelle das passende Video nimmst. So sieht ein Testimonial aus einer solchen Serie bei Fernao aus:
07. Worauf es bei einem Video in der Stellenanzeige ankommt
Nach vielen Recruiting-Drehs kann ich sagen: Ob ein Video wirkt, hängt viel weniger von der Kamera ab als von ein paar Grundentscheidungen.
Die wichtigste ist, mit echten Mitarbeitern zu arbeiten statt mit Darstellern. Bewerber haben ein feines Gespür dafür, ob etwas gestellt ist. Sobald es aufgesetzt wirkt, ist das Vertrauen weg, und genau das sollte das Video ja eigentlich aufbauen.
Genauso wichtig ist es, konkret zu werden. "Wir sind ein tolles Team" glaubt niemand. Eine Kollegin, die erzählt, wie ihr das Team in der ersten Woche geholfen hat, schon. Für die Anzeige selbst reichen meist 30 bis 90 Sekunden, längere Versionen gehören auf die Karriereseite. Und weil viele Videos ohne Ton laufen, vor allem auf dem Smartphone, sind Untertitel Pflicht. Die ersten Sekunden entscheiden, ob jemand dranbleibt.
Ein letzter Tipp: Denk in Material, nicht in einem einzelnen Video. Aus einem Drehtag entstehen oft Hauptfilm, Kurzversionen für Anzeigen und Hochformat-Clips für Social Media. So deckst du mit einer Produktion gleich mehrere der Formate oben ab.
Was ein Recruitingfilm kostet, erkläre ich im Artikel Recruitingfilm Kosten 2026. Weitere Beispiele und den Ablauf findest du auf der Seite Recruitingfilm Produktion München.
08. Fazit
Ein Video ersetzt die Stellenanzeige nicht. Aber es macht sie glaubwürdig. Bewerber sehen, mit wem sie arbeiten würden, und entscheiden bewusster, ob sie sich bewerben.
Welches Format zu dir passt, hängt davon ab, wie viele Stellen du besetzen willst, in welchen Bereichen und wo deine Anzeigen laufen. Meistens ist es eine Mischung: ein Recruitingfilm als Basis, dazu kurze Testimonials für einzelne Stellen. Wenn du dir unsicher bist, was für deine offenen Stellen sinnvoll ist, lässt sich das in einem kurzen Erstgespräch meist schnell klären.




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