01. Worauf du bei Recruitingfilm-Beispielen achten solltest
Wer nach Beispielen für Recruitingfilme sucht, landet schnell bei Listen mit aufwendigen Kampagnen großer Konzerne. Die sind unterhaltsam, helfen bei der eigenen Planung aber oft wenig. Ein Spot mit Schauspielern und Kinobudget ist selten ein realistischer Maßstab für ein Unternehmen, das Fachkräfte im Gesundheitswesen, Entwickler oder Leute für den Vertrieb sucht.
Spannender ist die Frage, warum ein Recruitingvideo funktioniert. Beim Anschauen der folgenden Beispiele lohnt sich deshalb ein Blick auf drei Punkte:
- Wer spricht? Echte Mitarbeiter wirken glaubwürdiger als jede Sprecherstimme.
- Wie konkret wird es? Gute Videos zeigen Momente aus dem Arbeitsalltag statt Schlagworte.
- Für wen ist der Film gemacht? Ein Film für OP-Personal braucht etwas anderes als einer für Softwareentwickler.
Alle sechs Beispiele sind Produktionen von Herzog Mediaworks. Deshalb lässt sich nicht nur zeigen, wie sie aussehen, sondern auch erklären, welche Ausgangslage dahinterstand und welche Entscheidungen im Konzept getroffen wurden.
02. Beispiel 1: PAYBACK, wenn die Marke bekannter ist als der Arbeitgeber
Ausgangslage: PAYBACK kennt fast jeder, allerdings als Bonusprogramm an der Kasse. Dass hinter der Karte ein Münchner Tech- und Marketing-Arbeitgeber steht, haben viele potenzielle Bewerber nicht auf dem Schirm.
Ansatz: Vor der Kamera standen ausschließlich echte Mitarbeitende, die aus ihrem Arbeitsalltag erzählen. Der Film ersetzt das Bild der Punktekarte durch Gesichter, Teams und Arbeitsplätze. Er hat seinen festen Platz auf der Karriereseite der PAYBACK GROUP und wird zusätzlich über verschiedene Kanäle ausgespielt.
Was du daraus mitnehmen kannst: Eine bekannte Konsumentenmarke ist im Recruiting nicht automatisch ein Vorteil. Wenn Bewerber euer Produkt kennen, aber nicht euren Arbeitsalltag, sollte der Film genau diese Lücke schließen.
03. Beispiel 2: REALEYES, Fachkräfte in einem umkämpften Markt
Ausgangslage: REALEYES betreibt Augenzentren an über 40 Standorten in Deutschland und sucht laufend Fachärzte, OP-Personal, medizinische Fachangestellte und Optiker. Gerade im Gesundheitswesen ist der Wettbewerb um qualifiziertes Personal groß.
Ansatz: Bei so vielen Standorten besteht die Gefahr, als anonyme Kette wahrgenommen zu werden. Der Film setzt deshalb auf die Menschen vor Ort: echte Teams, echte Abläufe und die Atmosphäre im Praxisalltag.
Was du daraus mitnehmen kannst: Je größer ein Unternehmen ist, desto wichtiger wird das Gefühl, dort keine Nummer zu sein. Ein Recruitingfilm kann zeigen, dass auch in einer großen Struktur kleine Teams arbeiten, die sich kennen und aufeinander verlassen.
04. Beispiel 3: FTAPI, Unternehmenskultur als stärkstes Argument
Ausgangslage: FTAPI ist ein Münchner Softwareunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern, spezialisiert auf sichere Daten-Workflows. Um Entwickler und andere Tech-Talente konkurrieren in München viele große Namen. Mit Größe kann ein Unternehmen dieser Größe dabei kaum punkten, mit seiner Kultur schon.
Ansatz: Der Film macht die Kultur sichtbar: wie die Menschen miteinander umgehen, was sie antreibt und wie sich die Zusammenarbeit anfühlt. Ziel war, die Hürde für eine Bewerbung zu senken.
Was du daraus mitnehmen kannst: Für kleinere und mittlere Unternehmen ist die eigene Kultur oft das stärkste Argument. Behaupten lässt sie sich allerdings nicht, nur zeigen. Genau dafür ist Video das passende Medium.
05. Beispiel 4: Augenlaserzentrum Neu-Ulm, Recruiting außerhalb der Metropolen
Ausgangslage: Nicht jeder Arbeitgeber sitzt in München, Hamburg oder Berlin. Regionale Arbeitgeber suchen oft dieselben Fachkräfte wie die Häuser in den großen Städten, sind aber weniger bekannt und werden seltener zufällig entdeckt.
Ansatz: Auch hier stehen das Team und der Arbeitsalltag im Mittelpunkt. Bewerber sehen vorab, mit wem sie arbeiten würden und wie es vor Ort aussieht.
Was du daraus mitnehmen kannst: Für Arbeitgeber außerhalb der Metropolen ist ein Recruitingfilm oft der erste Kontaktpunkt überhaupt. Er muss nicht spektakulär sein, aber er sollte zeigen, warum sich eine Bewerbung lohnt.
06. Beispiel 5: Das einzelne Mitarbeiter-Testimonial
Nicht jedes Recruitingvideo muss ein großer Film mit mehreren Protagonisten sein. Manchmal reicht eine Person, die ehrlich von ihrem Job erzählt. Das Testimonial für REALEYES zeigt genau das.
Warum das funktioniert: Ein einzelnes Testimonial ist nah und persönlich. Bewerber können gut einschätzen, ob sie sich in der Rolle wiederfinden. Das Format eignet sich besonders für Stellenanzeigen zu einer konkreten Position und für Social Media.
Was du daraus mitnehmen kannst: Wähle Protagonisten nicht nach Kameraerfahrung aus, sondern danach, wer gern über seine Arbeit spricht. Welche Fragen im Interview zu echten Antworten führen, zeigt der Artikel 30 Fragen für Mitarbeiter-Interviews.
07. Beispiel 6: Fernao, eine Testimonial-Serie für mehrere Fachbereiche
Ausgangslage: Fernao, heute Teil von Axians, war ein IT-Sicherheits- und Infrastrukturunternehmen mit Standorten in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Gesucht wurden Menschen für ganz unterschiedliche Fachbereiche.
Ansatz: Statt eines einzigen Films entstanden mehrere Mitarbeiter-Testimonials, jeweils mit Einblick in einen anderen Bereich. So lässt sich für jede Zielgruppe das passende Video einsetzen, und zusammen ergeben sie ein rundes Bild der Unternehmenskultur.
Die Testimonial-Videos für unser Employer Branding sind mehr als gelungen. (Natascha Lackner, Senior Specialist Employer Branding, Axians)
Was du daraus mitnehmen kannst: Wer in mehreren Bereichen gleichzeitig sucht, fährt mit einer Serie oft besser als mit einem Film, der allen alles erzählen will. Mehrere Interviews lassen sich meist gut an einem Drehtag aufnehmen.
08. Welches Format passt zu deiner Ausgangslage?
Die Beispiele zeigen: Das eine richtige Recruitingvideo gibt es nicht. Welches Format sinnvoll ist, hängt davon ab, wo ihr gerade steht. Die Tabelle gibt eine erste Orientierung:
| Ausgangslage | Passendes Format | Beispiel |
|---|---|---|
| Bekannte Marke, als Arbeitgeber wenig präsent | Recruitingfilm mit mehreren Mitarbeitenden | PAYBACK |
| Viele Standorte, hoher Fachkräftebedarf | Recruitingfilm mit Fokus auf die Teams vor Ort | REALEYES |
| Kleineres Unternehmen mit starker Kultur | Kulturfilm mit echten Einblicken | FTAPI |
| Regionaler Arbeitgeber, wenig Bekanntheit | Recruitingfilm für Karriereseite und Anzeigen | Augenlaserzentrum Neu-Ulm |
| Eine konkrete Stelle soll besetzt werden | Einzelnes Mitarbeiter-Testimonial | REALEYES Testimonial |
| Suche in mehreren Fachbereichen | Testimonial-Serie | Fernao |
In der Praxis ist es oft eine Kombination. Aus einem Drehtag entstehen ein Hauptfilm, kurze Testimonials und Clips für Social Media. Welche Formate sich speziell für Stellenanzeigen eignen, zeigt der Artikel Stellenanzeige mit Video.
09. Was alle Beispiele gemeinsam haben
So unterschiedlich die Unternehmen sind, ein paar Dinge ziehen sich durch alle sechs Filme.
Echte Mitarbeiter statt Darsteller: In keinem der Videos stehen Schauspieler vor der Kamera. Bewerber merken sehr schnell, wenn etwas gestellt ist, und dann ist das Vertrauen weg.
Kein Drehbuch zum Auswendiglernen: Die Aussagen entstehen im Interview. Auswendig gelernte Sätze klingen vor der Kamera hölzern, spontane Antworten dagegen nach echtem Arbeitsalltag.
Ein klarer Fokus: Jeder Film beantwortet im Kern eine Frage. Bei PAYBACK etwa: Wer arbeitet eigentlich hinter der Karte? Bei FTAPI: Wie fühlt sich die Zusammenarbeit an? Ein Film, der alles zeigen will, bleibt meist nicht hängen.
Gedacht für den Einsatz: Ein Recruitingfilm wirkt erst, wenn er gesehen wird. Deshalb lohnt es sich, schon im Konzept zu klären, wo er laufen soll: Karriereseite, Stellenanzeigen, LinkedIn oder Messe.
10. Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Recruitingvideo sein?
Für die Karriereseite meist ein bis drei Minuten. Für Stellenanzeigen und Social Media reichen oft 30 bis 90 Sekunden.
Was ist der Unterschied zwischen Recruitingfilm und Imagefilm?
Ein Imagefilm richtet sich an Kunden, Partner und die Öffentlichkeit und zeigt, wofür ein Unternehmen steht. Ein Recruitingfilm richtet sich an Bewerber und zeigt, wie es ist, dort zu arbeiten. Im Mittelpunkt stehen Menschen, Teams und der Arbeitsalltag.
Brauchen wir Schauspieler oder reichen echte Mitarbeiter?
Echte Mitarbeiter wirken glaubwürdiger. Kameraerfahrung ist nicht nötig, eine gute Interviewführung dagegen schon.
Was kostet ein Recruitingfilm wie in den Beispielen?
Die meisten Projekte liegen zwischen 5.000 und 15.000 Euro netto. Details erklärt der Artikel Recruitingfilm Kosten 2026.
11. Fazit
Gute Recruitingfilme müssen nicht spektakulär sein. Sie wirken, wenn sie ehrlich zeigen, wie es ist, in einem Unternehmen zu arbeiten, und wenn sie zur konkreten Ausgangslage passen. Ein bekannter Konzern braucht etwas anderes als ein Softwareunternehmen mit 100 Leuten oder ein regionaler Arbeitgeber.
Wenn du die Beispiele mit deiner eigenen Situation vergleichst, merkst du meist schnell, welcher Ansatz passt. Wie die Produktion abläuft, zeigt der Artikel Recruitingfilm erstellen lassen. Weitere Projekte findest du auf der Seite Recruitingfilm Produktion München.





